Elternhilfe

Hilfe für Eltern gehörloser Kinder

 

Gebärdensprache

Liebe Eltern,

im Internet finden Sie in vielen Seiten Hinweise auf die ausschließlich lautsprachliche Förderung von hörgeschädigten Kindern. Sie finden viele Ratschläge, wie Sie Ihrem Kind mit Zeit und Mühe ein paar lautsprachliche Worte antrainieren können. Immer wieder wird darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, dass ein Kind lautsprachlich sprechen lernt. Hinweise auf die spätere angeblich bessere Integration fehlen nie. Oft ist es aber das fehlende akzeptieren der "Behinderung", und der Druck von Seiten der Mediziner, die Eltern dazu verleitet diesen einseitigen Weg einzuschlagen. Auf Wissensvermittlung wird die ersten Jahre kaum Wert gelegt. Zeit, dringend benötigte Zeit, geht mit Sprechübungen verloren. Oft bleiben die Kinder sprachlos und seelisch auf der Strecke.

Gebärdensprachliche Förderung als Hilfe

Mit gebärdensprachlicher Förderung kann von Anfang an Wissen und Identität vermittelt werden, wie jedem anderen Kind auch, Wissen, auf dem Ihr Kind aufbauen kann. Aber nicht nur Wissen, Sie können eine entspannte Kommunikation aufbauen, können mit Ihrem Kind genauso über Gefühle und alltägliche Sorgen sprechen, so wie es Eltern von hörenden Kindern tun. Der Wortschatz kann genauso schnell aufgebaut werden wie bei einem hörenden Kind. Wenn Sie sich entschließen Gebärdensprache zu lernen, werden Sie die schönste Sprache der Welt kennen lernen. Ihr Leben wird einen neuen Sinn bekommen. Und Sie werden niemals den Kontakt zu Ihren Kindern durch unterschiedliche Sprachen verlieren, denn Ihre Kinder werden früher oder später mit der Gebärdensprache leben. Politik, Gesellschaft und Pädagogen sind dabei von den veralteten Vorstellungen der rein lautsprachlichen Erziehung weg zu kommen (manche haben es schon geschafft...). Der Weg führt hin zur zweisprachigen Erziehung - dem Bilingualismus. Gehörlosigkeit wird nicht mehr als reine Behinderung gesehen, die man operativ entfernen kann.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, Kinder, die von Anfang an gebärdensprachlich und lautsprachlich erzogen wurden, haben große Vorteile. Sie können sich später der Kommunikations-Situation besser anpassen, können in vielen Fällen den dringend notwendigen Dolmetscher verstehen. Z.B. bei Betriebsversammlungen, Diskussionen, kulturellen Veranstaltungen, auch in der Schule, bei Gesprächen mit mehreren Personen, wo Lippen-Absehen schlichtweg unmöglich ist und natürlich in der Gemeinschaft der Gehörlosen. Auch Schwerhörige lernen zunehmend Gebärdensprache oder wenigstens Lautsprachbegleitende Gebärden und sehen ihre Vorteile. Schauen Sie bei den CD-ROMS 777 Gebärden und Tommys Gebärdenwelt und drucken Sie sich auch schon mal das Fingeralphabet aus.. Schauen Sie hier nach aktuellen Gebärdensprach-Kursen für Eltern und Kinder.

Entgegen der immer noch von Medizinern, Frühförderern und mancher Pädagogen verbreiteten Meinung ist es unterdessen vielfach wissenschaftlich bewiesen, dass Gebärdensprache die Lautsprachentwicklung fördert und nicht anders!

Namhafte Wissenschaftler unter anderem aus Amerika und Deutschland sind der Frage nachgegangen, was in der Beratung der Eltern gehörloser Kinder geändert werden muss, damit die Kinder nicht kognitiv und sprachlich verarmen. Viele Studien zeigen, dass gehörlose Kinder, die gebärden, bessere schulische Leistungen erzielen als nicht gebärdende gehörlose Kinder, und zwar unabhängig von anderen Faktoren. Lesen Sie diesen Beitrag aus: DAS ZEICHEN 98/2014 über den Spracherwerb gehörloser Kinder.

 

Nachdem ihr Kind die Gebärdensprache als Ausgangssprache (Basisprache) gelernt hat, kann eine gute Schrift- und Lautsprachkompetenz erreicht werden (abhängig von der Begabung des Kindes). Ich kann hier nur dringend auf das Buch von Emmanuelle Laborit "Der Schrei der Möwe" und das Buch "Wie Kinder sprechen lernen" hinweisen. "Ein gebärdender Mensch ist kein stummer Mensch".

Auch Sie werden diese Sprache lieben lernen. Ich liebe die Gebärdensprache, weil man alles mit ihr auf ganz besonders schöne, ausdrucksstarke und gefühlvolle Art ausdrücken kann. Ich liebe die Gebärdensprache, weil ich durch die Gebärdensprache in gehörlosen Menschen viel gefunden habe, was Hörende nicht besitzen.

Karin Kestner

 

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