Verlag Karin Kestner

Verlag Karin Kestner

Verlag für Gebärdensprache und Themen der Gehörlosigkeit

 

Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache

Einführung

 

Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache

Verlag: Karin Kestner
erschienen: 2009
ISBN: 978-3-9812004-1-6
Medium: DVD-Rom
Inhalt: ca. 18.000 Wörter und Videos

Version 2

Version 1

Schon im Vorfeld viel beachtet und mit Spannung erwartet. Am 1. April 2009 erschien das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache. Es ist das weltweit größte Wörterbuch einer Gebärdensprache. Erstmals ist der gesamte Gebrauchswortschatz der Deutschen Gebärdensprache mit 18.000 Wörtern und Gebärdenvideos auf einer DVD-ROM für PC und Mac (nicht für Fernseher) verfügbar. Alternativ auch als App für das iPhone erhältlich. Ein Muss für jeden Gebärdensprachnutzer!

Projektbeschreibung

Das vorliegende Wörterbuch entstand nicht durch eine einfache Wortliste. Ein Team hoch qualifizierter Fachleute hat erstmals den Gebrauchswortschatz der Deutschen Gebärdensprache umfassend erhoben, analysiert und dokumentiert. Ausgehend von praktisch allen bestehenden Gebärdensammlungen, Videofilmen und Fernsehaufzeichnungen zum Thema wurde ein riesiger Gebärdenpool gesichtet und dokumentiert. Anschließend wurde dieser Pool mit deutschen Wörterbüchern abgeglichen und um Eigenheiten der Deutschen Gebärdensprache, wie Richtungsgebärden, Klassifikatoren, etc. ergänzt. Die Wörterliste umfasste ca. 20.000 Wörter und Begriffe. Diese wurden nun mit z.T. jeweils mehreren Gebärden-Varianten gefilmt, woraus weit über 50.000 Einzelvideos entstanden. Aus diesen 50.000 Einzelvideos wurden letztendlich 18.000 Gebärden ausgewählt. Diese Auswahl der Gebärden wurde nach Kriterien der Häufigkeit, der Verwendung, Verbreitung und allgemeinen Verständlichkeit getroffen. Es handelt sich dabei ausschließlich um Gebärden, wie sie wirklich verwendet werden, ohne einem bestimmten Dialekt Vorrang einzuräumen. Das Wörterbuch wird fortlaufend der weiteren Entwicklung angepasst, aktualisiert und erweitert in neuen Auflagen herausgegeben. Gleichzeitig wird die Funktionalität erweitert werden.

Sprachpolitische Bedeutung

Die Deutsche Gebärdensprache wurde in der Vergangenheit von verschiedener Seite immer nur als eine Sammlung verschiedener Dialekte abgewertet, weil keine Gebärden als Hochsprache festgelegt wurden. Mit dem großen Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache besteht künftig erstmals die Möglichkeit für die Entwicklung einer Hochsprache zur Unterscheidung von deren Dialekten. Von heute an können alle Gebärdensprachnutzer von Anfang an die gleichen Gebärden lernen und sich so innerhalb der Gebärdensprachgemeinschaft von ungefähr 400.000 Menschen problemlos verständigen. Die Gebärdensprache kann von jetzt an nicht mehr als minderwertig und mit nur einem kleinen Wortschatz behaftet diffamiert werden. Aus den vorliegenden 18.000 Gebärden kann man analog der deutschen Sprache beliebig viele zusammengesetzte Gebärden entwickeln, wodurch leicht ein Wortschatz von 250.000 Wörtern gebildet werden kann. Zusammen mit dem Lernprogramm 777 Gebärden und der Grammatik der Deutschen Gebärdensprache, beschrieben vom Institut für Deutsche Gebärdensprache Hamburg, kann ab jetzt die vollständige Gebärdensprache von jedermann gelernt werden.

Zielgruppen

Das Wörterbuch soll besonders die Schulbildung der Kinder und den Übergang ins Berufsleben unterstützen. Kinder, die in ein anderes Bundesland umziehen oder z. B. nach Essen auf eine weiterführende Schule gehen, werden in Zukunft neben ihren heimischen Dialekten bekannte Gebärden wiederfinden, sofern ihre Pädagogen die Chance aufgreifen, die dieses Wörterbuch bietet. Auch und gerade durch den Einsatz in den beruflichen Schulen können die Chancen auf eine reibungslose Berufsausbildung erhöht werden. Dieses Wörterbuch ist auch ein gewaltiger Schritt in Richtung gleicher Lernchancen von Kindern mit Gehörlosigkeit.

Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdensprache möchte Pädagoginnen und Pädagogen im Bereich der Bildung von Kindern und Jugendlichen mit Hörschädigung die Möglichkeit geben, sämtliche zu vermittelnden Inhalte auch in Gebärdensprache auszudrücken. Dozenten der Gebärdensprache können allen Lernenden in der Grundausbildung die gleichen Gebärden an die Hand geben und bei Bedarf dialektale Varianten davon abgrenzen. In Studiengängen für Gebärdensprachdolmetscher können alle vermittelten Gebärden abgestimmt und allen Studenten damit eine gemeinsame Basis vermittelt werden. Dolmetscher brauchen sich in ferner Zukunft vielleicht nicht mehr auf verschiedene Dialekte vorzubereiten, weil jeder die Standardgebärden kennt. Das Werk wird Eltern und Beratern, die mit Menschen mit Gehörlosigkeit Kontakt haben, zugute kommen und kann natürlich auch ein gefragtes Standardnachschlagewerk für alle gehörlosen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sein.

Nicht zuletzt bietet dieses Wörterbuch allen Gehörlosen die Möglichkeit die Deutsche Sprache und ihre Verwendung besser kennen zu lernen und ihren Wortschatz in Deutsch und Gebärdensprache zu erweitern. So wie in jedem Haushalt ein Duden als ständiges Nachschlagewerk im Regal steht, sollte in der Gebärdensprachgemeinschaft künftig daneben der "Kestner" stehen.

Förderung

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung - BMBF geförderte Projekt hatte eine Laufzeit von 13 Monaten. Es wurde vom Bundeselternverband gehörloser Kinder e. V. als Herausgeber in Auftrag gegeben und vom Verlag Karin Kestner realisiert.

Kritik, Anregungen und fehlende Gebärden senden Sie bitte an den Verlag. Alle Anregungen werden bei der Bearbeitung der nächsten Auflage berücksichtigt.

 

 
 
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